Interview: Wie lange reicht die Wärme in Unterhaching?

„Wie lange reicht die Wärme für Unterhaching? Jetzt haben ja so viele Nachbarn auch gebohrt, zieht ihr euch das heiße Wasser da nicht gegenseitig weg?“ Diese oder so ähnliche Fragen bekommen wir von unseren Fernwärmekunden oder Besuchern der Geothermieanlage oft gestellt. Aus diesem Grund haben wir für Sie bei einem Experten, dem  Geowissenschalftler Herrn Dr. Rüdiger Schulz vom LIAG in Hannover nachgefragt. In unserem Interview gibt Herr Schulz Antworten auf die häufigsten Fragen zum geothermischen Potential in Unterhaching.
 

Zur Person:
Rüdiger Schulz hat Mathematik und Physik studiert und promovierte 1983 mit einer Arbeit zur geophysikalischen Exploration am Beispiel der Graphit-Lagerstätte in Kropfmühl bei Passau. Heute ist er Direktor und Professor am Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik in Hannover und leitet dort die Sektion „Geothermik und Informationssysteme“. Dabei war er u. a. verantwortlich für den Aufbau eines geothermischen Informationssystems, das man unter www.geotis.de nutzen kann. Seit 1990 begleitet auch Lehrtätigkeit in angewandter Geophysik seine wissenschaftliche Arbeit. Er hat von verschiedenen deutschen Universitäten Lehraufträge für Geophysik und Geothermie erhalten.

INTERVIEW

Dem erfolgreichen Start des Geothermieprojekts in Unterhaching folgte rund um München ein regelrechter Geothermie-Boom. Warum ist gerade diese Region für Tiefengeothermieprojekte geeignet?

R.S.: Schon 1989 haben wir in einer Studie das hohe geothermische Potenzial im Münchener Raum nachgewiesen. Hier sind die Erdschichten des Oberjura (auch Malm genannt), die vor ca. 150 Millionen Jahre gebildet wurden, besonders durchlässig, da sie viele Klüfte aufweisen und sich auch Karsthohlräume gebildet haben („Malmkarst“). Diese Schichten liegen nördlich der Donau an der Erdoberfläche (Schwäbische und Fränkische Alb) und tauchen nach Süden unter die Alpen ab. Mit zunehmender Tiefe steigen natürlich auch die Temperaturen. In München-Riem liegt der Oberjura in 2.500 m Tiefe und erreicht knapp 100 °C, in Unterhaching ist er über 3.000 m tief und die Temperaturen sind höher als 120 °C. Dieser Temperaturbereich ist gut geeignet, um eine Fernwärme-Versorgung zu betreiben, aber auch bei höheren Temperaturen, d. h. südlich von München, Strom aus Erdwärme zu erzeugen. 

Ihr Institut hat in einer Studie untersucht, in welchem Ausmaß sich die mittlerweile 15 benachbarten Anlagen im Großraum München beeinflussen. Was sind die wichtigsten Ergebnisse und besteht die Gefahr, dass einer dem anderen buchstäblich das Wasser abgräbt?

R.S.: Eine wesentliche Aussage ist, dass sich die thermischen Auswirkungen der Reinjektion in den nächsten 50 Jahren auf den Nahbereich der jeweiligen Injektionsbohrung beschränken; eine Beeinträchtigung der Fördertemperatur durch benachbarte Anlagen kann ausgeschlossen werden. Bei den hydraulischen Fremdbeeinflussungen, d. h. Veränderungen im Druck, zeigt sich, dass sie weit unterhalb der durch den jeweils eigenen Betrieb induzierten Potenzialveränderung liegen. Die Druckänderungen sind mit wenigen Ausnahmen durch die ausgeglichene Massenbilanz – das geförderte Wasser wird vollständig wieder in dieselbe Schicht eingeleitet – von untergeordneter Bedeutung und liegen häufig unter der Nachweisbarkeitsgrenze.

Anhand welcher Daten werden derartige Prognosen berechnet, um quantitativ belastbare Aussagen machen zu können?
 
R.S.: Die Basis war ein 3D-Untergrundmodell des Großraums München; dies wurde aus der 3D-Seismik Unterhaching und aus einer Vielzahl von anderen 2D-seismischen Profilen und Bohrungsdaten abgeleitet. Darauf aufbauend wurde ein hydrogeologisches Modell erstellt. Dieses berücksichtigt insbesondere  die Durchflusseigenschaften des Gesteins. Zusammen mit einem weiteren 3D-Modell für die Temperaturen im regionalen Untergrund, bildet es die Grundlage für die Prognoseberechnung.

Mit dem aus diesen drei Modellen entstandenen Programmpaket, konnten die natürlichen hydraulischen und geothermischen Verhältnisse sowie die durchgeführten Pumpversuche in Unterhaching und der Wärmehaushalt im Modellgebiet zuverlässig nachgerechnet werden. Insofern verfügen wir über eine schlüssige und belastbare Berechnungsmethode für die möglichen Wechselwirkungen zwischen benachbarten Bohrungen.

Kann anhand dieser Daten eine Aussage getroffen werden, wie lange die beiden Tiefengeothermiebohrungen in Unterhaching ausreichen, um die Bevölkerung mit Wärme und Strom zu versorgen?

R.S.: Wir haben unseren Prognosehorizont auf 50 Jahre begrenzt. Innerhalb dieser Zeit wird es nach den Ergebnissen zu keiner Temperaturerniedrigung kommen, selbst bei durchgehender maximaler Förderung von 150 l/s. Das liegt auch daran, dass bei der Planung der Injektionsbohrung Gt 2 mit mehr als 3 Kilometern ein möglichst großer Abstand zu der Förderbohrung Gt 1 gewählt wurde.
 


 


Akuelle Informationen
Archiv der Pressemitteilungen

BINE Projektinfo_Tiefe Geothermie dauerhaft nutzen



Suchbegriff eingeben:


MEIST BESUCHTE SEITEN
 Aktuelle Informationen
 Vorteile der Geothermie
 Aktuelle Netzübersicht
 Besichtigungen Geothermieanlage
 Newsletter
 Downloads



BAUSTELLENINFOS
Wöchentlich informieren wir Sie hier über unsere aktuellen & geplanten Baustellen
 Bauzeitenplan



26.09.2018 - Kundenfreundliche Preise für umweltfreundliche Fernwärme

Kundenfreundliche Preise für umweltfreundliche Fernwärme
Fernwärmekunden der Geothermie Unterhaching können sich auch in diesem Jahr über stabile Preise für die umweltfreundliche, regionale Energie freuen.
 mehr

30.07.2018 - Fernwärmenetzausbau 2018 im vollem Gange

Fernwärmenetzausbau 2018 im vollem Gange
Die Arbeiten für den Ausbau des Unterhachinger Fernwärmenetzes starteten planmäßig Mitte April. Aufgrund der guten Witterung wurden bisher alle Bauabschnitte wie z.B. der Ausbau in der Tölzer Straße im Zeitplan fertiggesellt.
 mehr

VOILA_REP_ID=C1257624:002B79D8